Wie man aus Mücken Elefanten macht: Nikotin im Passivdampf

Diverse Anti-Rauch-Befürworter benutzen die Ergebnisse einer neuen Studie um zu argumentieren, dass EZigaretten ein erhebliches Gesundheitsrisiko für Umstehende sind. In der Studie von Goniewicz et al. steht, dass EZigaretten geringe Mengen von Nikotin an die Raumluft abgeben.

So hat zum Beispiel Stanton Glantz in seinem Blog geschrieben:

Übersetzung:
„die Studie zeigt, dass EZigarettennutzer Nikotin und Feinpartikel ausatmen und so an die Luft und damit auch an Umstehende abgeben“

Original:
„new study shows e-cig users exhale nicotine and fine particles into the air where bystanders are breathing.“

Zwar erkennt Prof. Glantz an, dass die Studienautoren feststellen, dass der Nikotingehalt vom EZigarettendampf in der Luft ,10 mal niedriger als durch Zigarettenrauch ist… Dennoch folgert Prof. Glantz, dass

Übersetzung:
„Zigaretten sollten überall dort nicht erlaubt sein, wo auch Tabakzigaretten nicht erlaubt sind.“

Original:
„e-cigarettes should not be allowed anywhere that cigarettes are not allowed.“

Zwischen…

Bei der ganzen Geschichte gibt es drei Kleinigkeiten, die weder Prof. Glantz noch andere Verbotbefürworter der EZigarette, der Öffentlichkeit mitteilen:

  1. Gemessen wurde das „Exhalat“ eines „Rauchroboters“ und nicht die Ausatemluft eines EZigarettennutzers.
  2. Die Studienergebnisse bezüglich der giftigen Tabakspezifischen Verbrennungsprodukte.
  3. Die Antwort auf die Frage: „Wie viel Nikotin wird, laut der Studie, an die Umstehenden abgegeben?“

… und hinter den Zeilen

1. Gemessen wurde das „Exhalat“ eines „Rauchroboters“ und nicht die Ausatemluft eines EZigarettennutzers.

Laut dem Methodenprotokoll der Studie von Goniewicz et al. wurde der untersuchte Dampf von drei verschiedenen EZigarettenmarken durch einen „Rauchroboter“ gewonnen, welcher den aus den EZigaretten gewonnenen Dampf in eine spezielle Kammer leitete. Der EZigarettendampf ging also nicht den Umweg über eine menschliche Lunge.

Das ist wichtig zu wissen, da Nikotin sehr gut in den oberen Atemwegen absorbiert wird. Genauer gesagt, wird beim Zigarettenrauch das inhalierte Nikotin zu 98% vom Konsumenten aufgenommen. Man kann davon ausgehen, dass der Wert beim EZigarettendampf ähnlich hoch sein wird.

Aus diesem Grund ist die Aussage von Prof. Glantz schlicht unwahr, wenn er behauptet, dass „eine neue Studie zeigt, dass EZigarettenkonsumenten Nikotin in die Luft ausatmen“ – Das war nicht Bestandteil der Studie und das sagt diese Studie auch nicht aus!

 

2. Die Studienergebnisse bezüglich der giftigen Tabakspezifischen Verbrennungsprodukte.

Diese Studienergebnisse sind auch zu verstehen, wenn man keinen Zugiff auf den Volltext der Studie hat. Im Zusammenfassenden „Abstrakt“ der Studie, steht nämlich:

Übersetzung:

„Resultat: Diese Studie zeigt auf, dass EZigaretten eine Quelle für Passivnikotinaufnahme aber keine Quelle für giftige Verbrennungsprodukte sind.“

Original
„Results: The study showed that e-cigarettes are a source of secondhand exposure to nicotine but not to combustion toxicants.“

Dieser Satz ist „an sich“ nicht falsch… Jedoch Mißverständlich, da für eine Passivexposition für Nikotin auch jemand involviert sein müsste, der an der EZigarette „zieht“.

Einer der vielen Vorteile der EZigarette ist nämlich, dass sie nur Dampf produziert, wenn eine Person (oder Rauchroboter) diese aktiviert und an ihr zieht. Ohne Unterdruck am Mundstück, entweicht einer EZigarette kein Dampf. Da normalerweise ein Konsument an einer EZigarette zieht, um den Dampf einzuatmen, wird dieser folgerichtig über die Atemwege vom Nikotin „befreit“. Was dann noch ausgeatmet wird, ist eher nicht der Rede wert (aber dazu mehr beim Punkt 3).

Wichtiger Satz aus der Studie: „Die EZigarette ist keine Quelle für giftige Verbrennungsprodukte

 

3. Die Antwort auf die Frage: „Wie viel Nikotin wird, laut der Studie, an die Umstehenden abgegeben?“

Nun, die Antwort hängt natürlich von der Menge der EZigarettennutzer ab. Nehmen wir als extremes Beispiel folgendes: Eine, anstelle von Rauchern, mit EZigarettennutzern gefüllte Bar oder Kneipe.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Ergebnisse der Studie von Goniewicz et al. korrekt sind und die Nutzung von EZigaretten 10 mal weniger Nikotin an die Umgebungsluft abgeben als Tabakzigarettenrauch… Und wir weiter davon ausgehen, dass ein nicht rauchender/nicht EZigarette konsumierender Mensch acht Stunden in dieser Bar/Kneipe ist…

Wie viel Nikotin hat ein Mensch nach acht Stunden in einem Raum voller EZigarettenkonsumenten aufgenommen?

Oder auch:

Wie viele Tabakzigaretten müsste eine Person rauchen damit diese genau so viel Nikotin aufnimmt, wie ein Nichtraucher/Nicht-EZigarettenkonsument in dieser fiktiven Bar/Kneipe voller EZigarettennutzer?

A. 80 Zigaretten
B. 8 Zigaretten
C. 0,8 Zigaretten
D. 0,08 Zigaretten?

 

Die Antwort ist…

… D. 0,08 Zigaretten.

 

Um also die Nikotinmenge aufzunehmen, die beim Rauchen einer Zigarette von einem Raucher aufgenommen wird, müsste eine Person 12 Tage in dieser Bar/Kneipe voller EZigarettendampf sein – Durchgehend! Mit kontinuierlicher „Bedampfung“!

Dies ist jedoch nur ein geschätzter und sehr hoch angesetzter Wert – Eine realistischere Schätzung ist vielmehr so, dass z.B. eine Bedienung in einer Bar/Kneipe, in der die Nutzung von EZigaretten erlaubt ist, mindestens 100 mal weniger Nikotin ausgesetzt ist, als bei Tabakzigarettenrauch.

Um diesen Punkt mal auf leicht verständliche Beine zu stellen:

Laut Studien benötigt ein „normaler Passivraucher“ ca. drei Stunden um ein µg (mikrogramm = 1 Millionstel Gramm) Nikotin durch Passivtabakrauch aufzunehmen….

Warum dieser „Passivnikotinkonsum von Tabakrauch“ bereits bei den ersten Nichtraucherschutzgesetzen keine Rolle gespielt hat, wird deutlich wenn man sich vor Augen führt, dass man für diese Nikotinmenge (1 µg) lediglich:

  • 65,4 Gramm Kartoffeln,
  • 59,5 Gramm Blumenkohl,
  • 19,2 Gramm pürierte Tomaten oder gar nur
  • 10 Gramm Aubergine

essen müsste. Alle diese Gemüsesorten enthalten nämlich Nikotin!

Das hat also damals nicht gereicht um das Nikotin als Grund für die Nichtraucherschutzgesetze mit anzuführen.. Es ist in diesen Gesetzen immer die Rede von „Verbrennungsrückständen des Tabaks“ – Nie vom Nikotin (Mit dieser Begründung hätten sich die Gesetzgeber lächerlich gemacht.)

 

Was bedeutet das jetzt für die Dampfer in Bezug auf diese Studie?

Wenn wir von den „10 mal weniger als bei Tabakrauch“ laut der Studie von Goniewicz et al. ausgehen, müssen die Angaben durch 10 geteilt werden, um das Äquivalent von DREI Stunden „Passivdampf“ aufzehmen. Man müsste also lediglich

  • 6,54 Gramm Kartoffeln,
  • 5,95 Gramm Blumenkohl,
  • 1,92 Gramm pürierte Tomaten oder gar nur
  • 1 Gramm Aubergine

essen um die Nikotinmenge zu sich zu nehmen, die man ansonsten bei drei Stunden Passivdampf aufnehmen würde.

Und wenn man sich jetzt bewusst macht, dass anerkannte Wissenschaftler davon ausgehen, dass man bei der „Exposition unter realistischen“ Bedingungen (die Messungen von Goniewicz wurden in einer geschlossenen „Expositionskammer“ und nicht in der „realen Welt“ gemacht) von „100 mal weniger ausgehen kann“, dann wären das:

  • 0,654 Gramm Kartoffeln,
  • 0,595 Gramm Blumenkohl,
  • 0,192 Gramm pürierte Tomaten oder gar nur
  • 0,1 Gramm Aubergine.

Noch einmal in aller Deutlichkeit: Das entspricht drei Stunden Dauerpassivdampf wenn der EZigarettenkonsument den Dampf nicht einatmet, sondern „einfach so in die Luft pustet“ (In der betreffenden Studie wurde nämlich ein Zugroboter benutzt, der den Dampf „pur“ in die Messkammer leitete).

Es wird noch mehr (oder besser weniger…)

Wenn der EZigarettenkonsument den Dampf in die Lunge einatmet, wird das Nikotin nämlich nahezu vollständig (> oder =98%) durch den Körper resorbiert. Was ein EZigarettenkonsument dann noch an die Umgebung an Nikotin abgibt, ist eigentlich nicht der Rede wert.

Wenn ich  (sehr) Vorsichtig davon ausgehe, dass knapp 90% des Nikotins vom Körper resorbiert werden…. Damit müsste folgende Menge an Gemüse aufgenommen werden um ca. drei Stunden Passivdampf zu entsprechen:

  • 0,0654 Gramm Kartoffeln,
  • 0,0595 Gramm Blumenkohl,
  • 0,0192 Gramm pürierte Tomaten oder gar nur
  • 0,01 Gramm Aubergine.[/b]

Noch anschaulicher:

Eine Aubergine wiegt ca. 300 Gramm – Das sind 300.000 Milligramm – Und ist 15 Zentimeter lang. Wenn sie jetzt ein (sehr) scharfes und (sehr sehr) feines Messer nehmen und von dieser ca. 15 cm lange Aubergine ein 5 Mikrometer „grosses“ Stück abschneiden und dieses zu sich nehmen – Dann haben sie so viel Nikotin aufgenommen, wie jemand der sich für drei Stunden mit einem konsumierenden EZigarettennutzer in einem kleinen Raum befindet. (Anmerkung: Ein Durchschnittliches Haar ist übrigens 50 Mikrometer „dick“… Man spalte ein Haar also in 10 gleich grosse Stücke und man hat ein Muster für das Auberginenstück!)

Wenn eine Person 10 Milligramm (das sind 0,01 Gramm) bzw. ein 5 Mikrometerstück Aubergine „zu sich nimmt“, dann hat sie damit so viel Nikotin aufgenommen, wie sie auch bei 12 Tagen kontinierlichem Passivdampf aufnehmen würde.

 

In der Tat… das klingt alles sehr sehr sehr Gefährlich!

Rursus

 

Quellen:

1 Prof. Dr. Siegel: Anti-Smoking Advocates are Scaring the Public About Nicotine Exposure Due to Passive Vaping, But Failing to Reveal that Exposure is Less than 0.08 Cigarette Equivalents

2 Prof. Dr. Siegel: New Study Finds that Vaping Does Not Expose Bystanders to Carbon Monoxide or Volatile Organic Compounds

3 Prof. Glantz: New study shows e-cig users exhale nicotine and fine particles into the air where bystanders are breathing

4 Fulltext: Goniewicz et al.: Secondhand Exposure to Vapors From Electronic Cigarettes

5 Feng et al.:: Respiratory retention of nicotine and urinary excretion of nicotine and its five major metabolites in adult male smokers

6 The NEW ENGLAND JOURNAL of MEDICINE: The Nicotine Content of Common Vegetables, N Engl J Med 1993; 329:437, August 5 1993

 

 

 

Comments

  1. Danke für den Hinweis, Rursus. Habe sofort einen kindersicheren Verschluss an meinem Gemüsekorb angebracht.

  2. Ist das immer noch aktuell oder gibt es schon etwas neues?

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