Streitgespräch mit einem Neurobiologen

Wie führe ich ein Streitgespräch mit einem Wissenschaftler?

Eigentlich recht einfach: Bleib bei den Fakten und lass Dich nicht einschüchtern, wenn er dir mit Studien kommt.

Und viel wichtiger: Geh davon aus, dass dein Gegenüber „auch nur ein Mensch ist“!

Heute hatte ich ein Streitgespräch mit einem Neurobiologen, der gleichzeitig auch Immunologe ist. Da das Gespräch sehr gut darstellt, dass auch Wissenschaftler manchmal „nicht den Wald vor lauter Bäumen sehen können“, ich aber auf der anderen Seite den guten Doktor nicht an den Pranger stellen will – Anonymisiere ich das Gespräch und kürze es um zwei Sätze.

Das ganze begann damit, dass der geschätzte „Dr. Neurobiologe“ die hypothetische Frage in den Raum stellte:

Dr. Neurobiologe: Kann das Nikotin in EZigaretten Krebs auslösen?

Hypothetisch deshalb, weil er sie auch gleich beantwortete:

Dr. Neurobiologe: Eine wissenschaftliches Studie (Review) zeigt auf, wie Nikotin Krebs erzeugt:

Nicotine-Mediated Cell Proliferation and Tumor Progression in Smoking-Related Cancers.

Das konnte ich, wie der nachfolgende Dialog zeigt, nicht einfach so stehen lassen:

Dampfer: Nikotin ist nicht kanzerogen! Sie sollten lesen lernen! (Nikotin steht nicht auf der Liste karzinogener Substanzen der Internationalen Agentur für Krebsforschung)

Dr. Neurobiologe: Haben Sie die von mir genannte Studie überhaupt gelesen?

Anmerkung: Das habe ich in der Tat.. Und auch die Studien, die dieser Übersichtsarbeit zu Grunde legen 😉

Dampfer: Haben Sie sie gelesen? Die Studie sagt lediglich aus, dass Nikotin das Wachstum und die Überlebensfähigkeit jeder Zelle anregt. Nikotin ist jedoch nicht Krebserregend!

Dr. Neurobiologe: Ich lese in der Studie folgendes: „Nikotin fördert das Wachstum von Tumoren und Metastasen durch Zellzyklus-Progression…“

Dampfer: Das sagt aber nicht aus, dass Nikotin kanzerogen ist. Der Krebs muss schon vorher da sein! (Wie ich vorher schon sagte, regt Nikotin das Wachstum und die Überlebensfähigkeit aller Zellen an!).

Davon ab, würde dies auch durch Nikotinersatzprodukte (Nikotinkaugummi, Nikotinpflaster) geschehen. Offensichtlich ein akzeptables Risiko.

Dr. Neurobiologe: Ja, ich weiss. Aber schlägst Du wirklich vor, dass Nicht-Raucher mit der EZigarette anfangen? Es ist in einem hohen Maß davon auszugehen, dass Ex-Raucher Krebszellen in sich haben.

Dampfer: Sehe ich das richtig, dass Du meinst, dass weder Nikotinersatzpräparate noch EZigaretten die Krebswahrscheinlichkeit reduzieren? Man also genau so gut rauchen kann?

Wenn Nichtraucher eine EZigarette benutzen, dann wird folgerichtig keine Schädigung erzeugt, da ja höchstwahrscheinlich keine Krebszellen vorhanden sind, bei denen das Wachstum angeregt werden könnte.

Bei einem Raucher ist in jeden Fall besser, wenn er keine Tabakzigaretten mehr konsumiert, da durch die knapp 9600 chemischen Verbindungen im Tabakrauch das Krebsrisiko ungleich höher und die EZigarette laut vieler Fachleute bis zu 99% weniger und damit ungefähr so schädlich ist, wie Nikotinersatzprodukte.

Dr. Neurobiologe: Ich habe eigentlich nur wegen einem guten Freund gefragt, weil dieser angefangen hat eine EZigarette zu benutzen.

Dampfer: 😀

Comments

  1. Waldemar Undig
    5. Juli 2016 - 6:49

    Auf der sicheren Seite scheint zu sein, wer weder raucht noch dampft. Denn dass Nikotinabstinenz das Krebsrisiko erhöht, hat bislang noch niemand behauptet.

    • Auf der sicheren Seite ist, wer nicht mehr Atmet!

      Tagtäglich sind wir von Giftstoffen in der Umgebungsluft bedroht. Z.B. auf der Straße durch Abgase oder im Büro durch Laserdrucker oder gar die Ausatemluft von anderen.

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