Laut FDA soll Champix jetzt sicher sein

Nachdem der Pharmariese „Pfizer“ bis heute knapp 275 Millionen Dollar für Opfer des Medikaments „Champix“ (auch bekannt als Chantix, Vareniclin) bezahlte, hat das Unternehmen jetzt neue Forschungsergebnisse über die Unbedenklichkeit vorgelegt und damit die US-amerikanische FDA überzeugt, dass das Medikament jetzt sicher ist.1

Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – Aus diesem Grund, noch einmal:

Nachdem der Pharmariese „Pfizer“ bis heute knapp 275 Millionen Dollar für Opfer des Medikaments „Champix“ bezahlte, hat das Unternehmen jetzt neue Forschungsergebnisse über die Unbedenklichkeit vorgelegt und damit die US-amerikanische FDA überzeugt, dass das Medikament jetzt sicher ist.

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Champix ist ein (auch in Deutschland) zugelassenes Medikament, dass beim Rauchstopp helfen soll. Um das zu erreichen, dockt der Wirkstoff des Medikaments an Nikotinrezeptoren im Hirn an und blockiert diese. Sprich: Tabakrauchen ist unter Champix Sinnlos, da das Nikotin nicht mehr die Nikotinrezeptoren im Hirn stimulieren kann.

Nebenwirkungen sind häufig: Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen, Blähungen, Schlafstörungen, Benommenheit, Schwindel, abnormes Träumen und Geschmacksstörungen. Weiterhin sind Depressionen, Selbstmordgedanken und Selbstmord, Aggressivität und auffälliges Verhalten unter Champix dokumentiert.

Nachdem 2007 in den USA erste Selbstmorde in Verbindung mit Champix bekannt wurden, hat die FDA im Juli 2009 das Pharmaunternehmen Pfizer dazu verpflichtet, auf alle Packungen des Medikaments einen großen Warnhinweis anzubringen. Weiterhin wurden (unter anderen wegen der Nebenwirkungen wie z.B. Benommenheit, Schwindel) Piloten, Fluglotsen und Berufskraftfahrern die Einnahme von Champix bei Ausübung ihres Berufs verboten.23

Pfizer hat nun neue Studien eingereicht, die allesamt keinen Beweis für eine erhöhte Suizidgefahr oder andere schwerwiegende psychische Probleme aufzeigen, die durch Champix verursacht werden sollen.

Ist doch toll, oder? Ein Hersteller bringt ein Medikament auf den Markt und die Nebenwirkungen sind „etwas“ krasser als vermutet. Dann wird der Hersteller dazu verpflichtet auf dem Produkt vor den Nebenwirkungen zu warnen und jetzt legt der Hersteller Studien für das „Nichtvorhandensein“ der Nebenwirkungen vor – Obwohl diese erstens dokumentiert sind und zweitens der Hersteller bereits 275 Millionen Dollar wegen dieser „nicht existierenden“ Nebenwirkungen an verschiedene Opfer des Medikaments gezahlt hat.

Gesundheits“experten“

Von Champix ist immer wieder einmal in der Presse zu lesen. Vor allem Gesundheitsexperten weisen immer wieder auf die guten Ergebnisse hin, dass dieses zugelassene Medikament bei einem Rauchstoppversuch bringen soll.

Lassen wir einmal die Nebenwirkungen wie Aggressivität, Selbstmordgedanken, abnormes Träumen und Erbrechen beiseite und schauen uns die tatsächliche Wirksamkeit von Champix bei einem Rauchstoppversuch einmal näher an:

Wirksamkeit von Champix

Laut einer Metaanalyse, in welcher neun Studien mit 7.267 Teilnehmern (davon 4.744 Nutzer von Champix) betrachtet wurden, hat das Medikament einen positiven Effekt bei einem Rauchstopp.4

Laut den Autoren der Studie sind die Erfolgschancen mit Champix nach sechs Monaten (oder länger) noch Tabakabstinent zu sein, zwei- bis dreimal höher als ohne medikamentöse Behandlung:

„The pooled risk ratio (RR) for continuous abstinence at six months or longer for varenicline versus placebo was 2.33 (95% confidence interval [CI] 1.95 to 2.80).“

Die Frage ist nun: Wie hoch ist die Erfolgsquote „ohne medikamentöse Behandlung“ und damit die „zwei- bis dreimal höhere Wirkung“ von Champix?

Die Erfolgsquote „ohne medikamentöse Behandlung“ bei einem Rauchstopp liegt bei ca. drei bis fünf Prozent.5 Die Rückfallquote liegt also zwischen 95 bis 97 %. Bedeutet: Von 100 Personen, hängen 95 bis 97 spätestens nach einem Jahr wieder an der Tabakzigarette.

Da Champix „zwei- bis dreimal“ bessere Erfolgschancen als ein Rauchstopp ohne medikamentöse Behandlung verspricht, ist die Erfolgsquote von Champix zwischen 6 und 15 % – Oder besser gesagt: Champix hat eine Misserfolgsquote von 85 bis 94%.
Bedeutet: Von 100 Personen, hängen 85 bis 94 spätestens nach einem Jahr wieder an der Tabakzigarette.

Eine Rückfallquote von bis zu 94% und Nebenwirkungen wie Selbstmordgedanken, Selbstmord, Depressionen, Aggressivität, auffälliges Verhalten, abnormes Träumen, Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen, Blähungen, Schlafstörungen, Benommenheit, Schwindel und Geschmacksstörungen – Klingt doch fair, oder?

Zumindest ich weiß was ich von „Gesundheitsexperten“ zu halten habe, die auf der einen Seite von der E-Zigarette als Alternative zur Tabakzigarette abraten aber auf der anderen Seite zu „bewährten und zugelassenen Medikamenten“ raten.
Solche „zugelassene Medikamente“ zur Rauchentwöhnung sind entweder Champix oder Zyban oder die weitgehend Nutzlosen Nikotin“ersatz“präparate wie z.B. Nikotinpflaster und Nikotinkaugummi – Diese Nikotin“ersatz“präparate sind, genau so „Wirksam“ wie ein Placebo und haben mit 95 bis 97 % die selbe Rückfallquote wie ein „Rauchstoppversuch ohne medikamentöse Behandlung”.6

Wie so oft:

Kopfschüttelnd

Rursus

Quellen:


  1. New FDA label bolsters safety case for Chantix 

  2. Early Communication About an Ongoing Safety Review of Varenicline 

  3. FDA Requires New Boxed Warnings for the Smoking Cessation Drugs Chantix and Zyban 

  4. Nicotine receptor partial agonists for smoking cessation 

  5. Nicotine replacement therapy for smoking cessation 

  6. A prospective cohort study challenging the effectiveness of population-based medical intervention for smoking cessation 

Comments

  1. Danke für den Artikel, hatte Champix schon nicht mehr auf dem Schirm gehabt.
    Wie ich seinerseits schon schrieb, „Tote rauchen nicht“, denn wer sich umbringt ist vor einem Rückfall gefeit.
    Wenn man bedenkt wo genau, bzw wie genau Champix wirkt, dann wir einem klar warum es zu solch gravierenden Nebenwirkungen kommt, bzw kommen muss.
    Das ist ja schon fast zwangsläufig und jeder Mediziner, der seinen Berufsethos nur halbwegs ernst nimmt, Der wird dieses Teufelszeug nicht verschreiben.
    Kenne selber ein Pärchen denen Champix verschrieben wurde. Sie, hat sich fast das Leben genommen und er war Wochenlang nicht in der Lage zu arbeiten. Beide haben die Medikation nach 14 Tage abgebrochen und nach kurzer Zeit haben sie mehr geraucht als vorher. So viel zu Champix.

    Gruß und vape on
    Daniel

  2. Ingolf Pärcher
    21. Oktober 2014 - 6:08

    Ich habe mich mal bzgl. konventioneller Rauchentwöhnung erkundigt – es gibt viele Therapeuten, die auf Champix und Co (Da gibt es einige Mitbewerber) setzen. Mittlerweile war für mich mittels Snus und E- Garette bereits alles erledigt, aber in welches Gruselkabinett hätte ich kommen können?
    Es gibt wenigstens zwei Möglichkeiten, risikominimierte Konsummöglichkeiten für Nikotin wahrzunehmen, die funktionieren, aber behindert werden.
    Ich bin nicht geneigt, psychopharmazeutisch wirksamen Kram zu mir zunehmen, wenn es das Original in einer risikoarmen Variante gibt.

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