Werbung für Cannabis – schon gesehen?

Nicht? Das muß daran liegen, dass Werbung für Drogen in Deutschland laut Gesetz verboten ist.1

Aber eigentlich muß es allgegenwärtige Werbung für Cannabis geben! Im Fernsehen, im Radio, in den Tages- und Wochenzeitungen, auf Plakatwänden und auch auf der Startseite von Google!

Werbung sorgt nämlich laut bestimmter Stellen dafür, dass der Konsument dazu verführt wird ein Produkt zu kaufen!

Also müßte es eigentlich Werbung für Cannabis geben – Zumindest laut DKFZ, würde Werbung die hohe Anzahl der Cannabis konsumierenden Kinder und Jugendlichen in Deutschland stimmig erklären!

Fakten
Laut der DBBD (Deutsche Beobachtungstelle für Drogen und Drogensucht“ war auch 2013 Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Immerhin 6,7 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren und 39,2 % der 18 bis 25-Jährigen in Deutschland haben 2011 Cannabis mindestens einmal probiert.2

Laut BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) ist der Anteil der rauchenden Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren bei 12,0 Prozent im Jahr 2012. Bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist der Anteil der Raucher im Jahr 2012 bei 35,2 Prozent.3

Als Grafik sieht das so aus:

Seltsam, oder? Obwohl Werbung für Cannabis in Deutschland verboten ist, konsumieren 6,7 Prozent der 12 bis 17-Jährigen und 39,2 Prozent der 18 bis 25-Jährigen trotzdem die verbotene Substanz. Und auch die Tabakwerbung ist in Deutschland sehr eingeschränkt – außer auf Werbetafeln am Straßenrand sieht man sie eigentlich nicht mehr.

Werbung
Im Band 20 der „Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle“ mit dem Titel „Marketing für E-Zigaretten in Deutschland“ verlangt das DKFZ ein Werbeverbot auch für EZigaretten ohne Nikotin.4  Laut DKFZ findet Werbung für EZigaretten in Deutschland zurzeit unreguliert im Internet statt, aber auch im Fernsehen und auf Volksfesten und Sportveranstaltungen. Auch EZigarettenverpackungen welche in Verkaufsstellen wie Supermärkten, Drogeriemärkten, Tankstellen und Kiosken ausliegen sind laut DKFZ Werbung für das Produkt.

Jetzt sollte man davon ausgehen, dass wenn eine illegale Substanz trotz Werbeverbot so hohe Nutzerzahlen aufweist, müssten doch die EZigarettennutzerzahlen bei den Jugendlichen quasi explodieren, oder?
Für eine Antwort auf die Frage habe ich mich auf die Suche nach einer Umfrage gemacht, welche die EZigarettenkonsumenten in Deutschland unter die Lupe nimmt und insbesondere Jugendliche zum Thema hat. Seltsamerweise habe ich keine Zahlen für Deutschland gefunden. Jedoch wurde in England durch das „Office for National Statistics“ vor kurzem die Anzahl der EZigarettennutzer in England veröffentlicht. Hier kann man die Gesamtanzahl (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) derer finden, die noch nie Tabakzigaretten geraucht haben, aber EZigarettenkonsumenten sind. Also die, die durch z.B. Werbung“ zur EZigarette verführt worden“.5

Ich habe die Gesamtanzahl der EZigarettennutzer spaßeshalber in die Tabelle eingefügt:

Es sind genau 0,14 Prozent der Gesamtbevölkerung! Die Nichtraucherorganisation „Action on Smoking and Health UK“ (ASH UK) veröffentlichte im Oktober 2014 einen Bericht, dass zwar über 90 Prozent der Kinder in England schon von der EZigarette gehört haben, aber 98 Prozent davon noch nie und 2 Prozent die EZigarette „ein oder zweimal“ ausprobiert hätten.6 ASH UK drückt sich überraschend deutlich aus, wenn die Organisation schreibt:

„There is almost no evidence of regular electronic cigarette use among children who have never smoked or who have only tried smoking once.“

Übersetzung:
„Es gibt nahezu keinen Beweis dafür, dass nichtrauchende Kinder, welche nie geraucht oder es zumindest einnmal versucht haben zu rauchen, regelmäßig EZigaretten nutzen“

Ich hätte da mal zwei Fragen:

  1. Wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene trotz Werbeverbot zu verbotenen Substanzen und trotz Werbung nicht zur EZigarette greifen, was war dann noch mal die Begründung für ein EZigarettenwerbeverbot?
  2. Wenn schon nach Regulierung gerufen wird, sollte das auf der Basis von Fakten geschehen. Warum gibt es also immer noch keine EZigarettennutzerzahlen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Deutschland?

Fragend

Jens Mellin

PS Trotz jahr­zehn­te­langer Werbebe­schal­lung durch die Medien habe ich mir noch nie Tampons zum Schwimmen, Superduper Eyelashmascara mit WOW-Effekt für meine Augen, von Adlern gelieferten Schnaps mit magischen Kräften oder ein Mobiltelefon mit Äpfeln und Birnen gekauft. Werbung hat beileibe nicht die Kaufsucht- und Konsumwirkung auf Menschen, die ihr gerne angedichtet wird. Vielmehr ist es meiner Meinung nach so, dass Werbung dafür da ist ein Produkt zu präsentieren und bei dem Konsumenten „die Marke“ zu etablieren. Wenn Konsumenten dann irgendwann ein Produkt brauchen oder wollen (z.B. ein Mobiltelefon), erinnern diese sich beim Einkauf an „die Marke“ und greifen ge­ge­be­nen­falls zu.
Wenn Werbung wirklich so wirken würde, wie gerne von bestimmten Stellen propagiert, würden alle nahezu die gleichen Fahrzeuge fahren und auf dem Mittagstisch würde nur noch Fertigfrass aus der Tube stehen (und alle würden dumm grinsend und besoffen mit einer Flasche weißen Rum durch die Gegend tanzen).


  1. Betäubungsmittelgesetz – BtMG §29 Abs.1 Nr.8 

  2. Bericht 2014 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EBDD 

  3. BZgA – Tabakkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener 2012 

  4. DKFZ: Rote Reihe – Marketing für E-Zigaretten in Deutschland, 2014 

  5. England – Office for National Statistics: Adult Smoking Habits in Great Britain, 2013 

  6. ASH UK: Use of electronic cigarettes in Great Britain, 2013 

Comments

  1. Man muss gar nicht zu illegalen Drogen sehen:
    Bleiben wir doch mal bei Tabakzigaretten.
    Es gibt ein Jugendschutzgesetz, welches Tabakrauchen ausdrücklich Kindern/Jugendlichen verbietet.
    Trotzdem rauchen sie…und wie!-)
    Jugendliche sind clever, die finden immer einen Weg an Verbotenes zu kommen.

    Und TV-Werbung is ja verboten…..trotzdem wollen so viele Unmündige rauchen.
    Wer „wirbt“ denn für das Rauchen? Wer macht es ständig und immer wieder zum Thema?
    Antwort: Die ANTZ-)

    In Schulen warnen sie davor und sagen z.B. den Kindern, mit Rauchen altern sie schneller und mit Zigaretten könne man ja abnehmen, aber das sei sooooo dolle ungesund.
    Einen Jugendlichen interessieren meist gesundheitliche Risiken nicht.
    Sie filtern gekonnt die für sie wichtigen Informationen heraus:
    -ich sehe älter aus? Cool
    -ich kann abnehmen? Geil

    Welche Zigarettenmarken es so gibt, wird sinnigerweise auch in den Schulunterlagen mit aufgezeigt.
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt….
    „Kein Macht den Drogen: Nikotin Aufklärung an Schulen mit Camel-Werbung:
    http://www.kmdd.de/unterrichtseinheit-nikotin.htm

    Oder der Film „Komm ins Land der Leichen“ von der Landeszentrale für politische Bildung /NRW:
    https://www.youtube.com/watch?v=Sr1g_JTk1-Q
    Eine einzige Marlboro-Werbung…natürlich warnt man vor Tabak, aber…..

    Wie man Kinder/Jugendliche auf etwas scharf macht, ist ganz einfach:
    Man warne davor….immer und immer wieder.
    In den USA „muss“ nun die arme, arme Tabakindustrie zur besten Sendezeit (wenn viele Kinder und Jugendliche zusehen) Spots schalten und vor sich selbst warnen….

    Noch Fragen?

  2. Hallo allerseits,

    @Rursus bei der Überschrift dachte ich zuerst, es ginge um snoop dogg. – Treibt mich nämlich ein wenig um, dass deren e-Zigaretten meinen in gewisser Weise optisch ähneln.

    Aber o.k. es geht um diesen leidigen roten Band 20. Danke, dass Du die Zahlen so ergründet und optisch aufbereitet hast. Deiner PS-Ergänzung kann ich voll zustimmen. Darum ärgert mich auch, dass im Internet nur dann für Werbung bezahlt werden muss, wenn ein User darauf klickt. Aber das nur nebenbei.

    @ Megan, bei den ANTZ halte ich mich naturgemäß nicht so auf. Bewundere aber jeden, der sich dazu aufrafft. Aber genau der Gedanke war mir durch den Kopf geschossen, als ich die Stiftungsseite aufrief, die das dkfz bei der „Untersuchung“ zu Bekanntheit und Konsum der e-Zigarette unterstützt hat. Wenn Tabak-Werbung in der Tageszeitung verboten sind, ist es doch widersinnig, Anti-Tabakwerbung dort zu schalten.

    Einen lieben Gruß
    Kurbelursel

  3. Super Artikel. Sehr schön den Unsinn solcher Maßnahmen dargelegt.
    Leider wird es wohl „die da oben“ nicht interessieren. Es geht ja um andere Interessen (Geld).

    Ich finde diesen immer stärker werdenden Regulierungswahn eh total daneben.
    Als erwachsender Mensch möchte ich über mein Leben selbst bestimmen. Wenn ich etwas ungesundes machen möchte, dann mache ich das eben, Punkt.
    Dazu kommt noch diese unerträgliche Doppelmoral. Werbung für Tabak und eZigaretten werden verbannt und was ist mit Alkohol? Das bei jedem größeren Sportereignis erst mal ne Bierwerbung durch das Bild flimmert ist dann ok? Oder das in der Jägermeister Werbung ein cooles „Wir“ Gefühl vermittelt wird stört auch nicht?
    Alkohol hat dabei oft noch viel schlimmere Auswirkungen, als Tabak oder gar eZigaretten. Aber Alkohl ist ja akzeptiert und keine Droge. Wo kämen wir denn da hin, wenn unsere Spitzenpolitiker zukünftig auf Ihre frisch gezapfte Maß verzichten müssen? O Zapft is.

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